Pressemitteilung Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik (ISST), Berlin⁄Deutschland vom 11.03.2010:
Gefahr erkannt, Gefahr noch nicht gebannt
Für weitere Informationen » www.isst.fraunhofer.de
Forscher des Fraunhofer ISST entwickeln Frühwarnsysteme, die
Unwettergefahren und Naturkatastrophen nicht nur frühzeitig
vorhersagen, sondern die Bevölkerung auch individuell warnen.
Personalisierte Warnungen als SMS oder E-mail bieten individuellen Schutz
(Quelle: Jens Nieth)
Unwetter und Kältewellen, wie aktuell in Südeuropa, aber vor
allem drastische Natur- und Technikkatastrophen sorgen jedes Jahr für
hohe Schadenssummen und menschliche Tragödien. Die Dringlichkeit eines
umfassenden Bevölkerungsschutzes ist offensichtlich. Dabei ist die
zuverlässige Vorhersage von Gefahrensituationen nur eine Seite der
Medaille, denn oft kommen die Warnungen nicht rechtzeitig bei den
Betroffenen an oder werden zu spät wahrgenommen. Forscher des
Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik ISST arbeiten
daher an einer neuen Generation von Warnsystemen, sogenannten "Multi-
Hazzard- ⁄ Multi-Channel-Frühwarnsystemen". Sie sollen Menschen nicht
nur frühzeitig und mit genauen Gefahrenprognosen warnen, sondern auch
deren persönliche Gefahrensituation berücksichtigen.
"Vorhersagen schaffen nur dann Schutz, wenn sie die Empfänger auch
erreichen. Doch je nach Situation ist die Erreichbarkeit ganz
unterschiedlich - zum Beispiel zu Hause oder auf dem Weg zur Arbeit",
erklärt Ulrich Meissen vom Fraunhofer ISST in Berlin. Eigenständige
Warnsysteme für jeden Katastrophenfall und für jede Situation, in der
sich Betroffene befinden, sind angesichts leerer Staatskassen nicht
finanzierbar und könnten sogar negative Auswirkungen haben, wenn sie
sich gegenseitig widersprechen. Ein erfolgversprechender Weg ist es
jedoch, vorhandene Warnsysteme sukzessive zu erweitern und vorhandene
Funktionen zu kombinieren.
Diese "Multi-Hazzard- ⁄ Multi-Channel-Frühwarnsysteme" bieten den
Vorteil, dass die Weiterentwicklung mit jedem Schritt kalkulierbar
bleibt und die Systeme immer wieder an die aktuellen Anforderungen
angepasst werden können. So können Bürger zum Beispiel im Internet
"Profile" anlegen, ob jemand ein Handy besitzt oder viel Zeit zu Hause
am Computer verbringt. Das System kann auf diese Weise entscheiden, ob
Warnungen über Alarmsirenen, per SMS, E-Mail oder auf anderem Weg
übermittelt werden sollen. Auch ist es möglich, neben den bestehenden
Informationswegen weitere Angebote zu erarbeiten und zum Beispiel
Hinweise im Fernsehprogramm einzublenden oder bei Sturm Fenster und
Garagentüren automatisch zu schließen. Angesichts des demografischen
Wandels und der sich ändernden Lebensgewohnheiten in der Gesellschaft
werden individuelle Optionen in Zukunft immer wichtiger.
Die Voraussetzung für den baldigen Einsatz solcher Warnsysteme ist
allerdings, dass ein Mindestmaß an technischer Ausstattung bei den
Nutzern vorhanden ist und die Betreiber der Dienste auf technische
Infrastrukturen zur Verarbeitung und Übermittlung der Daten zugreifen
können. In Deutschland und anderen hoch entwickelten Ländern ist das
grundsätzlich kein Problem. Aber gerade strukturschwache Länder, die
ohnehin oft besonders hart von Natur- und Technikkatastrophen
betroffen sind, müssten erst einmal die Grundlagen schaffen. Auf Basis
einer funktionierenden technischen Infrastruktur ist der Aufwand aber
überschaubar, da vor allem Standardtechnik eingesetzt wird. Meissen:
"Unser Ziel ist es ja gerade, vielen Bürgern Zugang zu den Warnungen
zu ermöglichen."
Weitere Informationen & Kontakt
Niklas Reinhardt
Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik
Öffentlichkeitsarbeit⁄Marketing
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Personalisierte Warnungen als SMS oder E-mail bieten individuellen Schutz
(Quelle: Jens Nieth)