Pressemitteilung Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Karlsruhe⁄Deutschland vom 29.03.2010:
Treibhausgas Wasser: Relevanz für den Klimawandel
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Forschern des KIT und ihren Kooperationspartnern an den Universitäten
in Cambridge, Großbritannien, und Utrecht, Niederlande, ist es
gelungen, mittels satellitengestützten Messungen von "schwerem"
Wasserdampf in der oberen Atmosphäre neue Hinweise zur vertikalen
Luftmassen-Zirkulation zu erhalten. Diese Erkenntnisse dienen dazu,
die Wechselwirkungen zwischen dem Klimawandel und der Chemie der
stratosphärischen Ozonschicht zu verstehen. Nun wurden die Ergebnisse
in der Fachzeitschrift "Nature Geoscience" veröffentlicht.
Mit dem Messinstrument MIPAS auf dem europäischen Umweltsatelliten ENVISAT werden mehr als 30 Spurengase gleichzeitig gemessen.
(Quelle: ESA)
Normalerweise friert Wasser spätestens an der sehr kalten Grenze
zwischen der Troposphäre - der untersten Schicht der Atmosphäre, in
der sich auch das Wetter abspielt - und der darüber liegenden
Stratosphäre, also in etwa 10 bis 15 Kilometern Höhe, aus und es
bilden sich Wolken. Die KIT-Forscher und ihre Kooperationspartner in
Cambridge und Utrecht nutzen bei ihren Untersuchungen den Effekt, dass
bei der Kondensation von Wasserdampf zu Eis so genanntes "schweres"
Wasser (HDO) schneller gefriert als normales Wasser.
Im verbleibenden Wasserdampf ist deshalb das Hauptisotop H2O gegenüber
dem "schweren" Wasser stärker konzentriert als in solchen Luftmassen,
in denen keine Kondensation, also keine Wolkenbildung, stattgefunden
hat. So ist es den Wissenschaftlern möglich, den Weg des Wasserdampfes
von der Troposphäre in die darüber liegende viel trockenere
Stratosphäre zu beobachten.
Aus den gemessenen Verhältnissen zwischen "schwerem" Wasser HDO und
dem Hauptisotop H2O konnten die Wissenschaftler jetzt erstmals
beobachten, welche Rolle die Wolkenbildung beim Transport von Wasser
in die Stratosphäre spielt. Durch die Eis- bzw. Wolkenbildung an der
Grenze zwischen Troposphäre und Stratosphäre gelangt in der Regel
extrem trockene Luft von unten in die Stratosphäre. Die Messungen
zeigen aber, dass das Wasser-Isotopenverhältnis HDO⁄H2O großen
jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen ist. Dies deutet darauf hin,
dass Eisteilchen in tropischen Gewitterwolken durch Auftrieb in große
Höhen gelangen, wo sie dann wieder verdampfen und so zur Befeuchtung
der Stratosphäre beitragen.
"Wasser und seine Isotope spielen in der vielfältigen chemischen
Zusammensetzung der Erdatmosphäre eine Schlüsselrolle, denn Wasser ist
ein wichtiges Treibhausgas und seine Konzentrationen in der oberen
Troposphäre und in der unteren Stratosphäre sind von größter Relevanz
für den Klimawandel", erläutert Dr. Gabriele Stiller,
Arbeitsgruppenleiterin am Institut für Meteorologie und Klimaforschung
(IMK) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Am IMK werden die Messungen des im Institut konzipierten MIPAS-
Instruments ("Michelson-Interferometer For Passive Atmospheric
Sounding"), eines der Hauptinstrumente an Bord des europäischen
Umweltsatelliten Envisat, ausgewertet. Seit 2002 umkreist er die Erde
in etwa 800 km Höhe und überwacht und misst mehr als 30 Spurengase
gleichzeitig. Neben Ozon und Wasserdampf gehören dazu die Stickoxide
und verschiedene Fluorchlorkohlenwasserstoffe. Da MIPAS die von den
Molekülen emittierte Infrarotstrahlung (Wärmestrahlung) misst, kann es
sowohl bei Tag als auch bei Nacht Spektren aufnehmen.
Wasserisotope
Das "schwere" Wasser HDO enthält im Vergleich zu "normalem" Wasser H2O
anstatt zweier Wasserstoffatome (H) ein Wasserstoffatom und ein
"schweres" Deuteriumatom (D). Im Gegensatz zum Wasserstoffatom, dessen
Atomkern nur aus einem einzigen Proton besteht, enthält der
Deuteriumkern außer diesem Proton auch ein Neutron. Selbst Ozeanwasser
enthält normalerweise nur etwa 0,03 Prozent HDO, in der Atmosphäre ist
der Anteil - durch die vielfältigen Verdunstungs- und
Kondensationsprozesse - noch geringer und sehr variabel.
Veröffentlichung⁄Zusatzdokumente:
Jörg Steinwagner, Stephan
Fueglistaler, Gabriele Stiller, Thomas von Clarmann, Michael Kiefer,
Peter-Paul Borsboom, Aarnout van Delden and Thomas Röckmann (2010): Tropical dehydration processes constrained by the seasonality of
stratospheric deuterated water. Nature Geoscience, 3, DOI: 10.1038⁄NGEO822, published online: 28 March 2010.Weitere Informationen & Kontakt:
Inge Arnold
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
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Mit dem Messinstrument MIPAS auf dem europäischen Umweltsatelliten ENVISAT werden mehr als 30 Spurengase gleichzeitig gemessen.
(Quelle: ESA)